Das Leben mit der Angst

Das Leben mit der Angst
Phobien Furcht ist etwas Menschliches. Doch gibt es Mittel und Wege, damit man nicht vor jedem Krabbeltier flieht 


VON FELICITAS MACKETANZ 

Illertissen/Ulm Egal ob Flugangst, Platzangst, Höhenangst oder auch die alltägliche Angst vor Spinnen – sie alle zählen zu den Angststörungen, auch Phobien genannt. Heilpraktikerin für Psychotherapie und Hypnose-Therapie, Anja Hirth, kennt sie alle. Täglich suchen die Ulmerin Menschen auf, die unter solchen Angststörungen leiden und dadurch beeinträchtigt sind. Und hoffen auf Heilung. 

„Phobien sind spezifische Ängste. Das bedeutet, dass sich die Angst gegen eine bestimmte Sache richtet“, meint Hirth. Es werde deshalb auch nicht gesagt, jemand habe Angst vor Tieren, sondern hier wer- de ganz genau abgegrenzt, vor welchem Tier man sich fürchtet, so Hirth. Ob Spinne, Hund oder Pferd. Am häufigsten sind jedoch alltägliche Ängste, wie die Höhenangst (Akrophobie), die Angst vor geschlossenen Räumen (Klaustrophobie), die Angst vor dem Zahnarzt (Dentalphobie) und die Spinnenangst
(Arachnophobie).
Aber warum haben
wir eigentlich Angst
vor bestimmten
Dingen oder Tieren? 

Anja Hirth erklärt das so: „Die Angst vor etwas 

stammt meist von einer bestimmten Situation.“ Steckte jemand also beispielsweise in einem Aufzug fest, kann es sein, dass man später nicht mehr mit einem Aufzug fahren möchte, weil er Angst vor einem erneuten Problem hat. Alternativ richtet sich die Angst auch sich gegen ein Objekt oder Tier, wie bei der Arachnophobie, der Spinnen- angst, sagt Hirth. „Das kann zum Beispiel schon von der Mutter vor- gelebt worden sein und dann über- nimmt man dieses Verhalten“, sagt die Fachfrau. 

Die Angststörungen haben aber eines gemeinsam: Wer Angst vor et- was hat, der versucht zu flüchten. Die Betroffenen legen ein Vermeidungsverhalten an den Tag und um- gehen dann die Objekte, vor denen sie Angst haben. Ihnen fehlt eine Sicherheit. Im schlimmsten Fall könne also jemand, der Angst vor dem Kino hat, seine Angst auf ähnliche Bereiche generalisieren, erklärt Hirth. Das führt dazu, dass Betroffene möglicherweise sogar jeden 

Ort mit Menschenaufläufen meiden, so auch Weihnachtsmärkte, 

Adventsbasare oder Supermärkte, erklärt die Expertin. Besonders in der Weihnachtszeit ist das oft eine schwere Last für die Betroffenen, die sie 

sehr quält. 

Bevor es aber so weit kommt, kann eine Therapie sinnvoll sein. Interessant ist hierbei jedoch die Art der Behandlung, die Hirth mit ihren Phobiepatienten durchführt: Sie lässt sie in Trance versinken. Dabei bearbeitet sie derweil die rechte Gehirnhälfte der Patienten, welche das Emotionale abspeichert. Die Patienten hören der Heilpraktikerin dann einfach nur zu und finden sich in einer Art Parallelwelt wieder, welche sogar „rosa Himmel und blaue Wiesen“ beinhalten kann, beschreibt sie. Dort können die Betroffenen ihr Verhalten von außen betrachten. Wie in einem Kinosaal, in dem nur ihr eigener Film gezeigt wird und sie selbst bestimmen können, in welcher Reihe sie zusehen möchten. „Dadurch wird den Patienten eine gewisse Distanz gewährt, die sie selbst regeln können“, sagt Anja Hirth. 

Nicht zu unterschätzen sind aber auch die Begleit- und Nebensymptome, die bei einer Phobie auftreten können. Dazu zählen ein schnellerer Herzschlag und Puls, Hyperventilieren, Schwindelgefühl, ein Kloß im Hals, Atemnot und die Mundtrockenheit. Dabei spielt natürlich auch die Ausprägung der Angststörung eine entscheidende Rolle. 

Menschen mit sehr ausgeprägter Arachnophobie können nicht einmal ein Bild von einer Spinne betrachten. Hier würde also eine Konfrontation mit dem Objekt, also der 

Spinne, absolut nichts bringen. Des- halb arbeitet Hirth auch mit Comics. Die Betroffenen zeichnen sich ihre Spinne selbst, mit Hufeisen oder 

Glöckchen, dass sie immer zu hören ist, wann sie wieder kommt – auf ihren acht haarigen Beinchen. So ist sie dann gleich viel netter. 

    

Ob Angst vor Spinnen oder Höhen: Jeder trägt seine Furcht mit sich herum. Doch man kann sie besiegen.



Quelle: Illertissener Zeitung NUMMER 297 SAMSTAG, 27. DEZEMBER 2014


 


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